Sind Jesus und Krishna eins?
Diese Vorstellung, der wir oft begegnen, stammt von einem Ausspruch
im Johannes-Evangelium: "Ich und mein Vater sind eins."
(Johannes 10:30) Wie bereits erwähnt, ist dieses Evangelium,
das späteste von allen - es entstand um AD 125, und es wird
mit Ausnahme von ein paar wenigen Sätzen von Gelehrten für fragwürdig
gehalten wegen seiner übertriebenen Ansprüche und christologischen
Tendenzen. Die Vorstellung, dass Jesus der fleischgewordene
Gott ist, taucht aber schon früher auf, zuerst in den Römerbriefen
des Paul (geschrieben um AD 55):"Welcher auch sind die
Väter, und aus welchen Christus herkommt nach dem Fleisch, der
da ist Gott über alles, gelobet in Ewigkeit! Amen." (Römer
9:5)
Von da also nimmt diese Vorstellung ihren Anfang und sie verbreitet
und erhält sich durch die Jahrhunderte hindurch und sogar bis
in unsere heutige Zeit.
Es ist bemerkenswert, dass Plinius Caecilius Secundus (AD 61-114),
der Prokonsul der Provinz Bithynia, bereits im Jahre AD 111
in seinem inzwischen berühmt gewordenen Brief über die Christen
an den Kaiser Trajan erwähnte, dass diese "die Gewohnheit
haben sich an einem festgelegten Tag vor Sonnenaufgang zu versammeln
und Jesus mit einer Hymne als einen Gott zu lobpreisen ("Carmen
Christo qasi deo decere secum invincem").
Im Laufe der Zeit hat diese auf Paul zurückgehende Vorstellung
begeisterte Anhänger unter den nicht-jüdischen Christen gefunden.
Ebionitische Christen und andere frühe christliche Gruppen aber
lehnten das Konzept vehement ab, und wurden daher als Ketzer
gebrandmarkt.
Diese Gottesvorstellung wurde weiter ausführlich ausgearbeitet
von Gregor von Njassa (AD 335), der die Lehre von der Dreifaltigkeit
von Vater, Sohn und Heiligem Geist entwarf, die als klare und
überzeugende Antwort auf die arianische Streitfrage gedacht
war.
Es fand seine endgültige doktrinäre Ausformulierung im sogenannten
Athanasischen Glaubensbekenntnis (ca. AD 500), una substantia-tres
personae ("eine Substanz - drei Personen"), das den
Arianerstreit ein für alle mal beendete.
Wenn wir jedoch die Evangelien selbst untersuchen - zumindest
die synoptischen Evangelien von Markus, Matthäus und Lukas -
lassen sich darin keine Anhaltspunkte für Jesus als den fleischgewordenen
Gott finden. Im Gegenteil heißt es in Markus 10:18 und Lukas
18:19: "Was heißt Du mich gut? Niemand ist gut als Gott
allein."
Gelehrte und Forscher sind sich im allgemeinen einig, dass
sich Jesus mit Sicherheit nicht als göttlich betrachtete, als
der fleischgewordene Gott, die dritte Person der Dreifaltigkeit.
Sogar im Johannes-Evangelium mit all seinen christologischen
Verkündungen heißt es: "Mein Vater ist größer als ich"
(Johannes 14:28) Und was folgende Aussage angeht: "Ich
preise dich, Vater und Herr des Himmels und der Erde, dass du
solches verborgen hast den Weisen und Klugen, und hast es offenbart
den Kindern" (Lukas 10:21), so kommen Kinder wohl kaum
auf die Dreifaltigkeit, wenn sie die Bibel lesen.
Vielmehr bildete sich die Vorstellung, dass Jesus Gott sei,
im Laufe der Zeit heraus. Sie bezieht sich nicht auf den historischen
Jesus, sondern hat damit zu tun, was Christen, angefangen mit
Paul, über Jesus im Laufe der Zeit zu glauben begannen.
Burton L. Mack ist der Meinung, dass es sich dabei nicht um
die Sichtweise der Jesus-Bewegung oder des Volkes von Q handelt,
sondern dass sich darin vielmehr die Gedankenwelt eines nordsyrischen
Christus-Kultes wiederspiegelt, von dem man annimmt, dass er
eine Abspaltung der Jesus-Bewegung war und dessen bedeutendster
Vertreter Paul gewesen ist.
Den vedischen Schriften folgend ist es klar, dass Jesus nicht
Krishna ist. Man braucht sich nur das Ausmaß von Krishnas Qualitäten
vor Augen zu führen, wie es die Vedischen Schriften beschreiben,
um zu dieser Schlußfolgerung zu gelangen. Hier sind einige Beispiele:
Nirgendwo im Neuen Testament sagt Jesus, dass er überall gegenwärtig
ist, wie es Krishna von sich behauptet: sarvasya caham hrdi
sannivisto "Ich bin im Herzen eines jeden Lebewesens"
(Bhagavad-gita 15.15), andantara stha paramanu cayantara
stham "gegenwärtig in jedem Atom" (Brahma Samhita
5.35).
Krishna sagt auch, dass er so von jemandem mit vollkommenem
Wissen so wahrgenommen werden kann:
yo mam pasyati sarvatra sarvam ca mayi pasyati
"Wer Mich überall und alles in Mir sieht, ist niemals
von mir getrennt, und Ich bin niemals von ihm getrennt"
(Bhagavad-gita 6.30).
Jesus hat auch nicht behauptet, allmächtig zu sein:
mattah parataram nanyat kincid asti dhananjaya
mayi sarvam idam protam sutre mani-gana iva
Krishna dagegen sagt: "Es gibt keine Wahrheit über Mir.
Alles ruht auf Mir, wie Perlen auf einer Schnur." (Bhagavad-gita
7.7),
Er ist die Stärke der Starken,
balam balavatam caham (Bhagavad-gita 7.11),
die Intelligenz der Intelligenten
buddhir buddhimatam asmi (Bhagavad-gita 7.10),
und die Fähigkeit im Menschen.
tejas tejasvinam aham (Bhagavad-gita 7.10).
Genausowenig sagt Jesus, dass er allwissend sei:
vedaham samatitani vartamanani carjuna
bhavisyani ca bhutani mam tu veda na kascana
O Arjuna, Ich weiß alles, was in der Vergangenheit war, was
in der Gegenwart geschieht und was sich in der Zukunft ereignen
wird. Ich kenne auch alle Lebewesen - doch mich kennt niemand."
(Bhagavad-gita 7.26).
bahuni me vyatitani janmani tava carjuna
tany aham veda sarvani na tvam vettha parantapa
Viele Geburten haben sowohl du als auch Ich hinter uns gelassen.
Ich kann Mich an sie alle erinnern, doch du kannst es nicht."
(Bhagavad-gita 4.5).
Weiterhin sagt Jesus nicht, dass er die Quelle aller Lebewesen
sei.
bijam mam sarva bhutanam (Bhagavad-gita 7.10)
"Der ursprüngliche Same allen Seins"
Und "der Vater eines jeden"
aham bija-pradah pita (Bhagavad-gita 14.4).
Und Jesus lehrte auch nicht, dass die gesamte Schöpfung auf
ihm ruhe:
aham sarvasya prabhavo mattah sarvam pravartate
iti matva bhajante mam budha bhava-samanvitah
"Ich bin der ursprung der materiellen und der spirituellen
Welten. Alles geht von Mir aus. Die Weisen, die das wissen,
dienen Mir mit Hingabe und verehren mich von ganzem Herzen."
(Bhagavad-gita 10.8).
etad-yonini bhutani sarvanity upadharaya
aham krtsnasya jagatah prabhavah pralayas tatha
"Wisse, von allem, was materiell und was spirituell ist
in dieser Welt, bin Ich sowohl der Ursprung als auch die Auflösung."
(Bhagavad-gita 7.6).
Jesus behauptet nicht, der höchste Herrscher zu sein,
isvarah paramah krsnah (Brahma Samhita 5.1),
die Ursache aller Naturphänomene
tapamy aham aham varsam nigrhnamy utsrjami ca
"Ich sorge für Wärme, Ich bin es, der den Regen zurückhält
und aussendet." (Bhagavad-gita 9.19),
oder
"die Ursache aller Ursachen, in materieller als auch in
spiritueller Hinsicht"
sarva karana karanam (Brahma Samhita 5.1).
Außerdem behauptet Jesus nicht, er sei "die Unsterblichkeit
und der personifizierte Tod"
amrtam caiva mrtyus ca sad asac caham arjuna
Oder auch: "Sowohl die materielle als auch die spirituelle
Energie sind in Mir"
sad asac caham arjuna (Bhagavad-gita 9.19).
Jesus sagt nicht, dass die materielle Natur unter seiner Kontrolle
stehe:
mayadhyaksena prakrtih suyate sa-caracaram (Bhagavad-gita
9.1),
dass alle Lebewesen Teile von ihm sind,
yena bhutany asesani draksyasy atmany atho mayi (Bhagavad-gita
4.35),
dass er die Ursache der gesamten Schöpfung ist
yad yad vibhutimat sattvam srimad urjitam eva va,
oder
tat tad evavagaccha tvam mama tejo-'msa-sambhavam
"Wisse, dass alle majestätischen, schönen und herrlichen
Schöpfungen nur einem Funken Meiner Macht entspringen."
(Bhagavad-gita 10.41).
Auch verkündet Jesus nicht: "Doch wozu ist dieses detailierte
Wissen notwendig, o Arjuna? Mit einem einzigen Bruchteil Meinerselbst
durchdringe und erhalte ich das gesamte Universum."
atha va bahunaitena kim jnatena tavarjuna
vistabhyaham idam krtsnam ekamsena sthito jagat (Bhagavad-gita
10.42).
All das bedeutet jedoch nicht, dass Jesus ein gewöhnlicher
Mensch war, der die Vollkommenheit erreichte.
Sein Körper war aber auch nicht sac-cit-ananda vigraha,
ein transzendentaler Körper aus Wissen und Glückseligkeit, wie
der von Krishna (Brahma Samhita 5.1).
Aus dem, was Gelehrte und Forscher herausgefunden haben, wird
sehr deutlich, dass weder Jesus selbst noch seine ursprünglichen
Anhänger in Galiläa und später in Jerusalem ihn sahen als ‚das
Wort, das Fleisch ward und unter uns lebte', den fleischgewordenen
Gott, die zweite Person in der Dreifaltigkeit, der Menschensohn,
der zu uns auf den Wolken kommen wird:
"Denn gleichwie der Blitz ausgeht vom Osten und scheint
bis zum Westen, so wird auch sein die Zukunft des Menschensohns."
(Matthäus 24:27)
Trotzdem: Jesus, als ein vollkommenes Lebewesen, ein ermächtigter
shaktyavesa avatara, eine ewig vollkommene Seele, steigt herab,
ausgestattet mit göttlicher Macht, um die gefallenen Seelen
in dieser materiellen Welt zu retten.
Ein solcher Körper ist nicht den Gesetzen unterworfen, unter
denen wir armselige Geschöpfe stehen. Eine Person auf dieser
Stufe ist ausgestattet mit den acht mystischen Vollkommenheiten,
von denen einige in den Evangelien bezeugt sind:
anima siddhi - man kann durch Wände oder geschlossene
Türen gehen (Johannes 20:19,26),
laghima siddhi - man kann auf Wasser laufen (Matthäus
14.25),
prapti siddhi - man kann Dinge von einer höheren Ebene
in den dreidimensionalen Raum bringen, wie zum Beispiel Nahrung
- die Speisung der Vier- oder Fünftausend (Matthäus 15:38, 16:10;
Markus 8:9, 8:20),
isitva siddhi - zu erscheinen und zu verschwinden nach
eigenem Willen: "Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie
erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen." (Lukas 4:29,30;
24:31).
Was befreite Seelen wie Jesus angeht, jivan mukta, die in keiner
Weise den materiellen Gesetzen unterstehen, so heißt es:
iha yasya harer dasye karmana manasa gira
nikhilasv apy avasthasu jivan-muktah sa ucyate (Bhakti-rasamita-sindhu
1.2.187).
"Jemand, der mit Körper, Geist, Intelligenz und Worten
im Krishna-Bewusstsein, das heißt im Dienste Krishnas, handelt,
ist sogar schon in der materiellen Welt befreit, obwohl er vielen
scheinbar materiellen Tätigkeiten nachgehen mag."
Srila Prabhupada schreibt dazu: "[Ein solcher Gottgeweihter]
besitzt kein falsches Ego, denn er glaubt nicht, dass er der
materielle Körper ist oder dass er der Besitzer des materiellen
Körpers ist. Er weiß, dass er nicht der Körper ist und dass
ihm der Körper auch nicht gehört. Er selbst gehört Krishna,
und auch der Körper gehört Krishna. Wenn er alles, was er besitzt
- Körper, Geist, Intelligenz, Worte, sein Leben, seinen Reichtum
usw. - in Krishnas Dienst stellt, ist er sogleich mit Krishna
verbunden. Er ist eins mit Krishna und ist frei vom falschen
Ego, das einen glauben macht, man sei der Körper, usw. Diese
Stufe ist die Vollkommenheit des Krishna-Bewusstseins."
(Bhagavad-gita 5.11 Erläuterung)
"Ein solcher Gottgeweihter kann allen Angriffen der materiellen
Natur widerstehen, und daher ist er auch als gosvami bekannt.
Nur solche goswamis können in die Geheimnisse der transzendentalen
liebevollen Beziehungen des Herrn eindringen." (Srimad
Bhagavatam 3.4.31 Erläuterung).
Eine solche Person ist auf der vasudeva- oder suddha-sattva-Stufe,
jenseits der materiellen Natur, eins mit Krishna, nicht in seiner
Persönlichkeit, aber in Bezug auf seine Interessen, seinen Dienst
und seine Liebe. Er ist "in dieser Welt, aber nicht von
dieser Welt".
mam ca yo 'vyabhicarena bhakti-yogena sevate
sa gunan samatityaitan brahma-bhuyaya kalpate
Wer sich immer in spirituellen Tätigkeiten des reinen hingebungsvollen
Dienstes beschäftigt transzendiert augenblicklich die Erscheinungsweisen
der materiellen Natur und erreicht die Ebene des Brahman
(die transzendentale Ebene)." (Bhagavad-gita 14.26).
In Bezug auf ihren Körper wird der unbegreifliche Bewusstseinszustand
einer befreiten, in Gott vertieften Seele, jivan muktah, einer
Person auf der vasudeva-Stufe, in der Bhagavad-Gita wie folgt
beschrieben:
naiva kincit karomiti yukto manyeta tattva-vit
pasyan srnvan sprsan jighrann asnan gacchan svapan svasan
pralapan visrjan grhnann unmisan nimisann api
indriyanindriyarthesu vartanta iti dharayan
"Ein Mensch im göttlichen Bewusstsein weiß im Inneren
stets, dass er in Wirklichkeit nicht handelt, obwohl er sieht,
hört, berührt, riecht, isst, sich bewegt, schläft und atmet.
Denn während er spricht, sich entleert, etwas annimmt, seine
Augen öffnet, oder schließt, weiß er immer, dass nur die materiellen
Sinne mit ihren Objekten beschäftigt sind und dass er davon
nicht berührt wird." (Bhagavad-gita 5.8-9).
Ein solcher Gottgeweihter sieht in jedem Moment tief in seinem
Herzen in ekstatischer Vision - premanjana-cchurita-bhakti-vilocanena
santah sadaiva hrdayesu vilokayanti - die Augen gesalbt
mit dem Balsam der Liebe
syamasundaram acintya-guna-svarupam - die unbegreifliche,
transzendentale Form von Syamasundara, Krishna.
Eine Person auf der Stufe der prasannatma-Ekstase sieht
Gott überall:
yo mam pasyati sarvatra sarvam ca mayi pasyati
tasyaham na pranasyami sa ca me na pranasyati
"Jemand, der Mich überall sieht und alles in Mir sieht,
ist niemals von Mir getrennt, und ich bin niemals von ihm getrennt."
(Bhagavad-gita 6.30).
Er hat die brahma bhuta Ebene erreicht und ist eine befreite
Seele:
brahma-bhutah prasannatma na socati na kanksati
samah sarvesu bhutesu mad-bhaktim labhate param,
er klagt niemals - na socati - selbst wenn ihm so großes
Leid wie eine Kreuzigung widerfährt: "Ihr Töchter von Jerusalem,
weint nicht wegen mir, weint wegen euch selbst und wegen eurer
Kinder." (Lukas 23:28).
Er begehrt nichts - na kanksati.
Er ist der Freund aller Lebewesen - samah sarvesu bhutesu.
Und seine Mediation im hingebungsvollen Dienst zu Gott ist tief
und vollkommen - mad-bhaktim labhate param (Bhagavad-gita
18.54).
Da er mit Krishna zusammen ist (im Krishna-Bewusstsein), fürchtet
er sich unter keinen Umständen:
narayana-parah sarve na kutascana bibhyati
svargapavarga-narakesv api tulyartha-darsinah
"Gottgeweihte, die sich einzig und allein im Dienst der
Höchsten Persönlichkeit Gottes, Narayanas, beschäftigen, fürchten
sich in keiner Lebenslage. Für sie sind die himmlischen Planeten,
Befreiung und die höllischen Planeten alles das gleiche, denn
solche Gottgeweihte sind ausschließlich am Dienst des Herrn
interessiert." (Srimad Bhagavatam 6.17.28).
Sie stehen nicht wie gewöhnliche Menschen unter dem Gesetz des
Karma oder unter den Naturgesetzen:
mahatmanas tu mam partha daivim prakrtim
asritah
bhajanty ananya-manaso jnatva bhutadim avyayam
"O Sohn Prithas, die großen Seelen, die nicht verblendet
sind, stehen unter dem Schutz der göttlichen Natur. Sie sind
vollständig im hingebungsvollen Dienen beschäftigt, da sie wissen,
dass ich die Höchste Persönlichkeit Gottes bin, die ursprünglich
und unerschöpflich ist." (Bhagavad-gita 9.13).
Sie können unter gewöhnlichen Umständen nicht getötet werden:
kaunteya pratijanihi na me bhaktah pranasyati
"O Sohn Kuntis, verkünde kühn, dass Mein Geweihter niemals
vergeht." (Bhagavad-gita 9.31).
In unseren Schriften gibt es reichlich Beispiele, von vollkommenen
Seelen,die alle möglichen Foltern und Grausamkeiten überlebten,
wie Prahlada Maharaja, den sein dämonischer Vater mit Löwen
in einen Käfig sperrte, in eine Grube mit Schlangen warf und
sogar von einem Berggipfel stieß.
Selbst Bhisma, von eintausend Pfeilen durchbohrt, war jenseits
der Gesetze der Natur und konnte nicht getötet werden, sondern
verließ seinen Körper nach seinem eigenen Willen nur nachdem
Sri Krishna gekommen war.
In ähnlicher Weise wurde im 15. Jahrhundert weder Mira Bhai
getötet, als man ihr Gift gab, noch Haridas Thakur, den man
über 21 Marktplätze prügelte und dann in den Ganges warf, weil
man ihn für tot hielt. Aber er kam lebendig zurück und wanderte
frei umher wie es auch Jesus getan hatte, nachdem er gekreuzigt
worden war.
Im Alten Testament gibt es die Geschichte von Sadrach, Mehach
und Abed-Nego, die sich weigerten das Fleisch des Königs Nebuchadnezzar
zu essen und es vorzogen ins Feuer geworfen zu werden, und die
im Feuer kirtan [das Singen von Gottes Namen - Anm. d. Übers.]
machten und überlebten. (Daniel 3:19-26) mare krsna rakhe
ke, rakhe krsna mare ke - wenn Krishna dich beschützt, kann
dich niemand töten, und wenn Krishna dich töten will, kann dich
niemand retten.
Die Umstände des Verschwindens von Jesus sind zwar alles andere
als geklärt, aber sie sind auch nicht so wichtig für uns; sie
sind sogar irrelevant. Wie Srila Prabhupada deutlich machte:
"Predigen ist die Essenz". Die Lehren Jesus' sind
der essentiellste Teil seiner Mission und Verkörperung, und
nicht, was danach passierte.
In der Tat, durch die Konzentration der Aufmerksamkeit nicht
auf die Unterweisungen von Jesus, sondern auf seinen Tod, das
leere Grab und alles danach - interessanterweise von den Theologen
als die nachösterliche Perspektive bezeichnet - wird das ganze
Gewicht von seinen Lehren genommen, nämlich seinen Besitz zurückzulassen,
um sich mit Herz, Seele und Verstand Gott zuzuwenden. Dadurch
werden die Lehren getrübt und gehen letztendlich verloren.
Folgerichtig hat Srila Prabhupada bereits 1977, sich auf vedische
Beweise stützend, das Konzept, dass Jesus für unsere Sünden
gestorben wäre, als unauthorisierten Paradigmenwechsel zurückgewiesen:
von den reinen und vollkommenen Lehren Jesus' zur Erlösung durch
das Kreuz (Bombay, 2. April 1977).
Die Lehren Jesu sind universell, in sich vollständig und Erlösung
gewährend: sanatana dharma - das eigentliche Ziel des
Lebens, die ewige Religion der Seele in ihrer liebevollen Beziehung
zum Höchsten Wesen, nicht verfälscht durch die Irrigkeit körperlicher
Bezeichnungen, upadhis, d.h. Bezeichnungen als "Inder",
"Amerikaner", "Hindu", "Moslem",
"Christ" und so weiter - sarvopadhi-vinirmuktam
tat-paratvena nirmalam hrsikena hrsikesa-sevanam bhaktir ucyate
(Narada-pancaratra, quoted in Bhakti-rasamrita-sindhu 1.1.2.)
Einfach indem man sich hingibt an den Willen Gottes, lebt man
mit Krishna und alles karma wird vernichtet.
sarva-dharman parityajya mam ekam saranam
vraja
aham tvam sarva-papebhyo moksayisyami ma sucah
"Gib ale Arten von dharma auf und gib dich einfach mir
hin. Ich werde dich von allen sündhaften Reaktionen befreien.
Fürchte Dich nicht." (Bhagavad-gita 18.66)
Folglich braucht niemand für unsere Sünden zu sterben.
Jesus hat durch sein persönliches Leben gelehrt, wie man sich
Gott bedingungslos hingibt: "Dein Wille geschehe (Matthäus
26:42), "auf Erden wie im Himmel" (Matthäus 6:10)
Jesus war so hingegeben, dass er es in Kauf nahm gekreuzigt
zu werden, um diese Botschaft der Liebe zu predigen.
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Zum Weiterlesen:
- Einleitung
- Wer war Jesus?
- Sind Jesus und Krishna eins?
- Ist es miteinander vereinbar Jesus
zu verehren und Krishna zu verehren?
- Was ist der Unterschied zwischen
Jesus und Krishna?
Über den Author
© 2002 Prithu das Adhikary |